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Übertragungsweg von Borna bei Pferden

Das Borna-Virus löst vor allem bei Pferden und Schafen die tödlich verlaufende Bornasche Krankheit aus. Neuerdings wurde es vereinzelt bei Rindern, Ziegen, Katzen, Affen und Straußen nachgewiesen, in rudimentärer Form sogar beim Menschen. An der Universität Wien entdeckten Forscher den bisher unbekannten Ansteckungsweg.

Seit etwa 120 Jahren werden die Symptome der vom Borna-Virus ausgelösten Bornaschen Krankheit (Borna Disease) beschrieben. Betroffen sind primär Pferde und Schafe in Deutschland, vereinzelt auch in der Ostschweiz und dem Vorarlberg.

Nach einer Infektion mit dem Virus kommt es zu Entzündungsreaktionen des Gehirns, hauptsächlich des Limbischen Systems, einem phylogenetisch alten Hirnareal, dem die Verarbeitung von Emotionen und Triebverhalten zugeordnet wird. Außerdem steht es im Zusammenhang mit der Ausschüttung von Endorphinen, dem körpereigenen Belohnungssystem, wird beeinflusst von und beeinflusst selbst viele Leistungen des Gehirns.

Erkrankte Tiere zeigen vielschichtige, zum Teil sehr unspezifische Symptome. Sie sondern sich von der Herde ab, sind desorientiert und wirken apathisch, es kann zu vermehrter Aggressivität und Schreckhaftigkeit kommen. Vor allem dort, wo bereits Borna-Fälle aufgetreten sind, sollte bei Verhaltensauffälligkeiten ohne erkennbare Ursache diagnostisch eine Borna-Erkrankung ausgeschlossen werden.

Neben Veränderungen im Verhalten gehören neurologische Ausfälle, Ataxie und Schluckbeschwerden zum Krankheitsbild, außerdem Symptome wie Fieber, Futterverweigerung , Kopfschütteln oder Hypersensibilität bestimmter Hautareale. Nicht in ihrer Gesamtheit, sondern oft nur als Einzelsymptom auftretend und darum manchmal schwer zuzuordnen. Die Erkrankung ist derzeit nicht therapierbar, betroffene Tiere sterben daran.

Übertragungsweg gefunden

Krankheit und Auslöser waren bekannt, der Übertragungsweg nicht. Lange galt eine Ansteckung von Pferd zu Pferd als wahrscheinlich, weil oft mehrere Tiere eines Bestandes erkranken. Es gab lediglich den Verdacht, dass Mäuse als Vektor eine Rolle spielen könnten. Forscher der Vetmeduni Vienna (Österreich) haben jetzt Feldspitzmäuse als entscheidendes Erreger-Reservoir identifiziert. Im Rahmen ihrer Arbeit, deren Ergebnisse im April 2014 veröffentlicht wurden, untersuchte das Team 107 Spitzmäuse, alles Totfunde, vorwiegend aus Sachsen-Anhalt. In 14 von insgesamt 58 gefundenen Feldspitzmäusen (Crocidura leucodon) wurde das Borna-Virus isoliert, während die anderen Spitzmausarten Borna-negativ waren.

Bei der Untersuchung der Gewebeproben zeigte sich, dass nahezu alle Organe der Mäuse infiziert waren, überraschend hoch war die Viruskonzentration in der Haut. Das könnte erklären, warum bei Pferden als erstes das Riechhirn infiziert wird: Beim Beriechen der Maus gelangt der Erreger möglicherweise mit Hautschuppen ins Gehirn und breitet sich von dort im Körper aus. Eintrittspforte wären demnach vermutlich die Atemwege, so die Verfasser der Studie. Den eindeutigen Nachweis für den Infektionsweg lieferte die Gen-Analyse. Dabei zeigte sich, dass die aus Pferden isolierten Borna-Stämme identisch waren mit denen der Mäuse aus demselben Gebiet.

Ohne Maus keine Ansteckung

Die Bindung des Virus an den Zwischenwirt Feldspitzmaus wäre auch eine mögliche Erklärung für die geringe geographische Ausbreitung der Erkrankung. Feldspitzmäuse sind Standort treu und das Vorkommen der Borna Disease deckt sich mit der Verbreitung der unter Naturschutz stehenden Feldspitzmäuse, die jährlich etwa einhundert Pferde mit der tödlich verlaufenden Krankheit infizieren. Die gute Nachricht: Nach Aussage der Forscher ist die Feldspitzmaus obligatorischer Zwischenwirt für das Virus. Mit anderen Worten: Ohne Zwischenstation in einer Maus löst es keine Erkrankung aus. Die bisher angenommene Ansteckung durch Kontakt mit infizierten Tieren scheint somit ausgeschlossen.

(Quelle: Vetmeduni Vienna/“The bicolored white-toothed shrew Crocidura leucodon (HERMANN 1780) is an indigenous host of mammalian Borna disease virus“ von Ralf Dürrwald, Jolanta Kolodziejek, Herbert Weissenböck und Norbert Nowotny 4/2014)

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