Zum Hauptinhalt springen

Stimme und Mimik beeinflussen Gleichgewicht von Hunden

Physisches Gleichgewicht von Hunden kann durch Stimme aus der Balance geraten

Nicht nur was wir sagen, sondern wie wir es sagen beeinflusst das Gleichgewicht von Hunden. Traurig, zornig, fröhlich: Hunde hören (auf) uns. Unsere Stimme transportiert immer auch unsere Stimmung. Nicht ohne Grund haben beide den gleichen Wortstamm. Wir können Hunde also emotional beeinflussen. So weit, so gut und nicht neu. Neu ist hingegen, dass wir Hunde mit unserer Stimmlage aus der Balance bringen können.

Von uns kennen wir das, nehmen es aber im Allgemeinen eher unbewusst war. Werden wir wütend angeblafft, antworten wir körpersprachlich. Oft ohne es zu merken weichen wir mehr oder weniger deutlich zurück. Freundliche, fröhliche Menschen ziehen uns dagegen an. Auch das zeigt sich körpersprachlich, diesmal durch mehr oder weniger deutliche Hinwendung. Ganz gleich, wen wir vor uns haben, wir geraten in jedem Fall etwas aus der physischen Balance. Jedenfalls die meisten von uns.

Der Klang unserer Stimme bewegt Hunde

Und wie ist das bei Hunden? Als Vierfüßler stehen sie ja eigentlich sehr sicher. Ja, auch sie können körperlich aus dem Gleichgewicht geraten, wenn wir uns mittels Stimme emotional zu sehr aus dem Fenster hängen. Das hat eine im Januar 2026 veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Wien zeigen können. Bei der Beantwortung dieser Frage ging es den Wissenschaftlern nicht um die emotionale Stabilität. Sie fragten sich vielmehr, ob und wie sich die Körperhaltung der Vierbeiner verändert. Und tatsächlich macht der Ton die Musik. Kalt lassen menschliche Stimmen Hunde nie. Das konnte im Rahmen der Studie gezeigt werden. Wütende Menschenstimmen sorgen bei Hunden für weiche Knie, während fröhliche Stimmen Gegenteiliges bewirken können.

Studiensetting

Dreiundzwanzig Hunde wurden auf einer Druckmessplatte stehend mit zwei verschiedenen Stimmlagen konfrontiert (fröhlich, ärgerlich). Als Referenz wurde die Stellung des Hundes bei Stille gemessen. Veränderungen der Körperstellung und die Geschwindigkeit, mit der diese erfolgte, wurden über fünf verschiedene Messpunkte erfasst.

Die an der Studie teilnehmenden Hunde wurden im Gleichgewicht sowohl stabilisiert als auch destabilisiert, wenn sie wütende oder fröhliche menschliche Stimmen hörten. Allerdings waren wütende Stimmen mit den signifikant größten destabilisierenden Effekten verbunden, wie das Team um Nadja Affenzeller vom Klinischen Zentrum für Kleintiere der Vetmeduni nachwiesen.

Dazu maßen die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler die Veränderungen im Gleichgewicht der Hunde, nachdem diese Aufnahmen von fröhlichen oder wütenden menschlichen Stimmen gehört hatten. Die Hunde standen dafür auf einer druckempfindlichen Plattform, die selbst kleinste Bewegungen anhand von fünf mit dem Gleichgewicht verbundenen Parametern erfasste.

Zornige Stimmen stören das Gleichgewicht von Hunden

„Im Vergleich zu völliger Stille wurde das Hören einer wütenden menschlichen Stimme mit höheren Werten eines Parameters assoziiert, den wir als Fläche des Druckmittelpunkts bezeichnen“, so Studien-Erstautorin Nadja Affenzeller. Damit ist die Unterstützungsfläche gemeint, die der Körper benötigt, um seinen Körperschwerpunkt stabil zu halten, also Abweichungen nach vorn, hinten oder zur Seite. Höhere Werte deuten auf eine Destabilisierung hin, weil größere Körperbewegungen nötig sind, um das Gleichgewicht zu halten.

Auch fröhliche Stimmen bringen Hunde ins Wanken

„Allerdings konnten wir keinen der vier anderen Stabilisierungsparameter eindeutig mit wütenden oder fröhlichen Stimmen in Verbindung bringen“ so Affenzeller weiter. Heißt: Nicht jeder Hund gerät aus der Balance, wenn unsere Stimme emotional überläuft, sei es aus Ärger, weil der Rückruf nicht klappt, oder aus Freude, wenn er besonders gut klappt. Es gab eine erhebliche Bandbreite in den Reaktionen der Hunde. Fröhliche Stimmen waren bei 57 Prozent der Hunde mit einer Destabilisierung verbunden und bei 43 Prozent mit einer Stabilisierung – und zwar in allen fünf untersuchten Parametern. Wütende Stimmen waren hingegen bei 30 Prozent der Hunde mit der stärksten Destabilisierung verbunden, obwohl 70 Prozent keine Veränderungen der Balance zeigten.

Wirkung menschlicher Mimik auf das Gleichgewicht von Hunden

In einer Folgestudie, die Februar 2026 veröffentlicht wurde, untersuchte das Team die Auswirkungen von glücklichen und wütenden menschlichen Gesichtern auf die Körperbalance der Vierbeiner.

Studiensetting

Diesmal standen 17 gesunde Familienhunde ruhig auf der Druckmessplatte, während sie abwechselnd fröhliche, wütende oder gar keine menschlichen Gesichter auf einem Fernseher sahen. Dabei wurde die Bewegung des „Center of Pressure“ (COP), dem Körperdruckmittelpunkt, gemessen – ein biomechanischer Marker, der feinste, oft mit freiem Auge nicht erkennbare Schwankungen im Stand erfasst und so Rückschlüsse auf die Körperstabilität erlaubt.

Das Überraschende: Betrachtet man die Balanceveränderungen zwischen den drei getesteten Bedingungen (fröhlich, wütend, kein Bild), zeigt sich kein klarer Unterschied. Doch im Detail zeigte sich ein klares Muster: Die Forschenden gruppierten die individuellen Reaktionen jedes Hundes und fanden zwei klare Typen – jene, deren Stand stabiler wurde, und jene, die instabiler wurden.

Beim Ansehen fröhlicher Gesichter zeigten etwa 65 % der Hunde insgesamt geringere COP-Werte (stabilisierend), während 35 % höhere Werte aufwiesen (destabilisierend). Beim Anblick wütender Gesichter waren es 53 % mit stabilisierenden und 47 % mit destabilisierenden Reaktionen. Mit anderen Worten: die entstehende emotionale Erregung beim Betrachten von beiden Gesichtsausdrücken schlägt sich individuell unterschiedlich je nach Hund direkt in der Körperbalance nieder.

Frühe Erfahrungen mit menschlicher Stimme und Mimik spielen vermutlich auch für das reaktive Gleichgewicht von Hunden eine Rolle (Foto: Patricia Lösche)

Erregung beeinflusst Standstabilität des Hundes

Dieser Befund passt zu dem Ergebnis der vorangegangenen Stimmen-Studie. Nicht allein die Emotion (positiv oder negativ), sondern vielmehr die ausgelöste Erregung beeinflusst die Körperantwort und stört das Gleichgewicht von Hunden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde emotionale Informationen aus Gesichtern aus dem Fernseher nicht nur erkennen, sondern sie auch körperlich verarbeiten – sichtbar durch winzige Veränderungen ihrer Standstabilität.

Fazit

Das Studienteam schließt aus den Veränderungen in Körperbalance und Standstabilität in Reaktion auf menschliche Stimmen oder Mimik auf emotionale Erregung, die das Gleichgewicht sowohl stabilisieren als auch destabilisieren kann. Nun seien weitere Studien erforderlich, beispielsweise um zu untersuchen, ob frühere Erfahrungen mit Menschen die Reaktionen einzelner Hunde beeinflussen und ob die Gleichgewichtsstabilisierung bei fröhlichen Stimmen mit der vorrauschauenden Erwartungshaltung einer positiven Interaktion – wie beispielsweise einem Spiel mit dem menschlichen Partner – zusammenhängen könnte. Die Reaktion auf die Mimik zeigt, wie wichtig es ist, welche Erfahrungen Hunde mit bestimmten Gesichtsausdrücken von Menschen machen und wie das die individuelle Emotionalität und Sensibilität unserer Hunde beeinflusst“, sagt Nadja Affenzeller.Das könnte dann zu einem besseren Verständnis von Hundeverhalten führen.

Titelfoto: Patricia Lösche

Originalpublikationen

Nadja Affenzeller, Masoud Aghapour, Christiane Lutonsky, Christian Peham, Barbara Bockstahler: Effects of happy and angry human voice recordings on postural stability in dogs: An exploratory biomechanical analysis (PlosOne, January 28, 2026)

Affenzeller, N., Lutonsky, C., Aghapour, M. et al. Happy and angry human pictures differentially affect dogs’ postural stability. Scientific Reports 16, 7103 (February 3, 2026).

Artikelautor

Vetmeduni Wien

Freundliche, kompetente Hundetrainer finden Sie hier

Sie suchen einen Experten?

Unsere Mitglieder sind für Sie da.